Sean Paul im Interview

Er ist derzeit wohl der weltweit bekannteste und erfolgreichste Dancehall-Interpret. Seine Alben „Dutty Rock“ (2002), „The Trinity“ (2005) und „Imperial Blaze“ (2009) fanden weltweit über 11 Millionen Abnehmer und auch seine in den USA bereits veröffentlichte neue LP, „Tomahawk Technique“, scheint sich in die Liste der Erfolgsalben einzureihen. Hier ein Auszug aus einem Interview, in dem der Jamaikaner bereitwillig Auskunft gibt, unter anderem über seine Musik, die Arbeit an „Tomahawk Technique“ und die jamaikanischen Unabhängigkeitsbestrebungen.

Wie geht es dir? Bist du gut in Deutschland angekommen?
Ich fühle mich bestens. Heute ist ein guter Tag. Meine neue Single „She Doesn’t Mind“ ist heute erschienen und mein neues Album „Tomahawk Technigue“ kommt auch demnächst. Gute Nachrichten!

 

Was ist denn überhaupt die „Tomahawk-Technik“?
Ein Tomahawk ist eine alte, traditionelle, amerikanische Axt. Was ich damit sagen will, ist, dass meine Musik „on the cutting edge“ ist. Daher ist es ein cooler Name für ein verdammt heißes Album. Ein Tomahawk ist eine scharfe, gefährliche Waffe und das ist das, was ich lyrisch gerade bin. Mein Songwriting ist zurzeit wirklich großartig und scharfsinnig und die Produzenten, die ich dieses Mal gewählt habe, um mit mir zu arbeiten, sind wirklich „cutting edge“. „Tomahawk Technique“ ist einfach „cutting edge“-Musik. Das ist es, worum es geht.

Was wolltest du erreichen, indem du dir große Produzenten wie Stargate, Benny Blanco oder Akon mit ins Boot geholt hast?
Ich habe sie gebeten, Dancehall-Musik aus ihrer Perspektive zu machen. Meine letzten vier Alben waren sehr erfolgreich, mit denen habe ich Dancehall-Musik in Welt gebracht. Dancehall ist jetzt wesentlich größer als es vor 10 Jahren der Fall war. Zwar steckt hier weniger Geld drin, wie in der gesamten Musikindustrie, und es sind weniger Dancehall-Acts auf Tour, aber die Szene ist viel größer. Es gibt mehr Spieler im Game, mehr Entertainer und mehr Produzenten. Mit den Alben habe ich die Flagge hoch gehalten und die Leute in meiner Heimat unterstützt. Mein letztes Album zum Beispiel entstand mit MacGregor, der damals der heißeste Produzent in Jamaika war. Mittlerweile sind es die anderen jungen Typen auch, aber deshalb wollte ich damals mit ihm arbeiten und seine Musik und seine Art zu arbeiten der Welt präsentieren. Mit Don Carleone habe ich auch vor Jahren gearbeitet, aber dieses mal wollte ich etwas Neues versuchen. Ich denke, dass viele dieser Produzenten froh sind, wenn sie mich auf einem Track haben, aber sie wollen mir nicht die Richtung zeigen, die zu gehen ist, oder meinen Sound beeinflussen – auf eine positive Weise. Wenn ich einen anderen Song schreiben wollte, der nicht klingt wie „Shake That Thing“, wollten sie das nicht, weil sie im Grunde etwas wollten, von dem sie sich sicher waren, dass es wieder an die Spitze der Charts geht. So kannst du das aber nicht immer machen. Deshalb wollte ich Produzenten, die mich herausfordern. Ich denke zwar, dass die Kids in Jamaika sehr talentiert sind, aber sie sind nicht so erfahren wie ich. Ich habe um die 12 Millionen Alben auf der ganzen Welt verkauft seit 2000. Ich denke, ich bin jetzt ein Schwergewicht. Viele Leute könnten sagen, dass ich mich von meinen jamaikanischen Wurzeln entferne, aber ich sage: „Nein, ich bin die Wurzel! Und nun bin ich auch der Baum. Ich bin der Baum und die Blätter und auch die Früchte!“ Was ich also machen will, ist, meine Musik auszuweiten. Ich will im Pop-Musik-Game mitmischen, aber dabei tun, was ich will. Daher habe ich Stargate gebeten, Dancehall aus ihrer Sicht zu machen. Vor Jahren habe ich einen Track von ihnen zusammen mit Ne-Yo gehört, „Miss Independent“, und dieser Song war für mich ganz genau der Mix, den ich brauchte. Ich habe sie dann gefragt, ob sie die Drums so gestalten können wie da und ihre alten Keyboards mit dazu tun, einfach ihr Ding machen. Und sie haben es für mich getan. Das hört man bei „Got 2 Luv U“, bei dem Song mit Kelly Rowland, „How Deep Is Your Love“ und bei „Put It On You“. Genauso kam Benny Blanco mit hinzu. Ich sagte zu ihm: „Du bist ein großartiger Pop-Produzent. Was kannst du für mich tun?“ Als er mich fragte, was ich will, sagte ich ihm, Dancehall-Musik, aber so wie er denkt, dass sie klingen müsste. Und er hat es sehr gut hingekriegt. Ich hätte nicht gedacht, dass er den Backbeat von Dancehall so gut macht, wie er es getan hat. Ich hätte nicht geglaubt, dass es so ein gutes Ding wird, aber der verdammte Typ hat es geschafft. Obwohl er bisher nur Pop-Musik gemacht hat und keine Rap-Formen und er bisher niemals Dancehall-Musik produzierte, hat er das geschafft. Ich war wirklich überrascht. Er war definitiv einer der Produzenten, die mich ein Level höher gebracht haben. Er hat mich und meine Stimme vor Aufgaben gestellt. Aus meinen Songs kannten die Leute nur Töne in der unteren und mittleren Tonlage, aber niemand kannte Soprano-Voices von mir. Niemand dachte, dass ich das kann, aber er sagte mir: „Du kannst das und ich will, dass du das machst!“ Ich war nervös, weil ich nicht so sehr anders klingen wollte, aber er meinte, dass sei genau das, was ich wollte, eine Herausforderung, also solle ich es machen. Und ich habe es getan. Mit Rico Love habe ich auch gearbeitet. Er kommt aus der Bronx, dem Geburtsort von Hip-Hop, der auch sehr von Reggae-Musik und Dancehall beeinflusst ist. Einer der Begründer von Hip-Hop ist Kool Herc. Er wurde auch in Jamaika geboren und kam in die Bronx, als er ein Teenager war und startete die gesamte Bewegung. Rico Love kommt auch von dort und er hat eine Menge Hit-Songs geschrieben und produziert wie „Lollipop“ für Lil Wayne, „Motivation“ für Kelley Rowland, „Sweet Dreams“ und „Beatyfull Nightmare“ für Beyoncé. Er hat die Hälfte von Ushers letztem Album geschrieben, also wollte ich mit diesem Typen arbeiten. In dem Moment, als ich dann ins Studio kam, spielte er den Beat an und ich war so überrascht. Es war verrückt. Das war die nächste Single, die bald in den Staaten herauskommt, „Body“, und es ist so ziemlich genau das, was ich von ihm wollte. Ich wollte einen Dancehall-Backbeat, der Elemente von R&B, Hip-Hop und Dance-Musik mixt. Er hat es sofort umgesetzt. Wir haben den Song innerhalb einer Stunde fertig gemacht und dann gesagt: „Lass und noch einen machen!“ Wir haben insgesamt fünf Songs aufgenommen an zwei Nachmittagen.
Für mich sind alle Songs auf dem Album Hits, sodass ich sehr stolz auf das Album und auf die Arbeit mit den Produzenten bin. Ich habe mich auch als Produzent auf diesem Album versucht und einen Track produziert. Er heißt „Roll Wid Di Don“. Auch habe ich mit einem jamaikanischen Produzenten-Team gearbeitet, das sich „Washroom Entertainment“ nennt und ich habe einen jamaikanischen Künstler mit drauf. Sein Name ist Future Fambo. Future Fambo ist im Musik-Game seit 1992. Er war viel größer als ich in Jamaika und hat sich um mich gekümmert und mir prophezeit, dass ich einmal groß werde. Jetzt hat sich der Kreis geschlossen und wir konnten einen Track aufnehmen, der ein Hit in Jamaika und ein toller Song auf dem Album ist. Ich denke, das Album ist einzigartig, „cutting edge“. Es ist eine „Tomahawk Technigue“!

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