Das ist Krieg gegen die Menschen der Türkei

TURKEY

 

„Das ist Krieg gegen die Menschen der Türkei“

Grünen-Chefin Claudia Roth hat den aggressiven Polizeisturm auf den Gezi-Park persönlich erlebt. Sie ist erschüttert – und plant jetzt eine koordinierte Reaktion der Zivilgesellschaft.

 

Es ist ungefähr 1.30 Uhr morgens, als ich Claudia Roth ans Telefon bekomme. Die Bundesvorsitzende der Grünen hat – wie ich auch – den Polizeisturm auf den Gezi-Park persönlich durchlitten, würgte im „Divan“-Hotel am Tränengas, floh von dort ins „Hilton“-Hotel etwas weiter entfernt von den Gaswolken, und nun trottet sie mit ihrer Entourage über den von der Polizei kontrollierten Taksim-Platz, hin zum „Marmara“-Hotel. Weil man im „Divan“ immer noch nicht atmen kann.

„Den Teufel werde ich tun und Ihnen meinen Ausweis zeigen“, höre ich sie am Telefon einen Polizisten anfauchen. „Ich bin Parlamentsabgeordnete und gehe jetzt hier durch.“ Das scheint auch zu klappen.

Zu dieser Stunde wird bereits jeder kontrolliert, der sich noch auf den Platz wagt – nur eine Stunde später wird der türkische EU-Minister Egemen Bagis die Parole ausgeben: „Heute Nacht wird jeder, der den Taksim-Platz betritt, als Terrorist behandelt.“ Da hat Frau Roth wohl Glück gehabt. Was das alles bedeutet, fasst die Grünen-Vorsitzende in einem Satz zusammen: „Das ist Krieg, Krieg gegen die Menschen in der Türkei. Die Menschen im Gezi-Park, das sind auch die Menschen der Türkei.“

 

Viele Türken sympathisieren mit den Grünen

Lange Zeit waren die Grünen insgesamt sowie ihre beiden Vorsitzenden Cem Özdemir und Claudia Roth sehr zurückhaltend mit Kritik gegenüber der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Jetzt aber hat er sich aus den beiden Politikern, besonders aber aus Frau Roth nach ihrer tränenreichen Nacht, entschlossene Gegner gemacht.

Das mag auch in der Bundesrepublik wahltechnische Folgen nach sich ziehen – denn viele Türken sympathisieren mit den Grünen (und der SPD), weil sie für den EU-Beitritt der Türkei sind – und für erleichterte Einwanderung und mehr Rechte für die türkischen Mitbürger. Dass aber beide Parteien, denn auch bei der SPD wendet man sich nun gegen Erdogan, sich plötzlich für Bürgerrechte in der Türkei selbst einsetzen, das wird vielen Deutschtürken missfallen.

 

 

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