Das Dilemma mit dem Proberaum

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Wände aus Pappe, Räume ohne Heizung oder Toiletten: Wer Popmusik machen will, muss leiden. Doch nirgends ist es so schwierig, einen akzeptablen Proberaum zu finden, wie in München.

Der ältere Herr mit italienischem Akzent sagt, er hätte da „etwas ganz Besonderes“ für mich. Ich glaube ihm sofort: Der Eingang liegt zwischen einer Russendisco und einem Striptease-Schuppen in der Münchner Kultfabrik. Wir betreten das Gebäude. Über ein wackliges Gitter geht es zwei Stockwerke hoch, dann durch dunkle Gänge und einen langen vollkommen leeren Saal. An dessen Ende: eine Stahltür. Dahinter öffnet sich ein großzügiger, vielleicht 50 Quadratmeter großer Raum. „Das ist der Proberaum“, sagt der ältere Herr, „kostet 180 Euro.“ Begeisterung. Das ist sie also endlich, die große weite Welt. In München macht man nicht im Waschkeller Musik, sondern in Hallen! München, meine neue Heimat. Dann fügt der Vermieter hinzu: „für den Mittwoch“.

 

So schnell landete ich vor elf Jahren in der Realität. Mein Vermieter holte das Maximum aus seinem Objekt: sieben Tage in der Woche, sieben Mieter. Die Halle in der Kultfabrik wurde mein erster Proberaum in der bayerischen Hauptstadt. Wenn wir abends ankamen, beobachteten meine Band und ich, wie Stripperinnen sich auf schwindelerregenden Absätzen grazil aus Limousinen wanden. Wenn wir gingen, sahen wir junge Russen die Treppe vor der Disco hinunterfallen.

 

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Quelle: Süddeutsche Zeitung

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